Arbeiten bei der Finanzinspektion: Mythen und Realitäten einer Karriere, die die Haushaltsentscheidungen der Regierung beeinflusst

JA oder NEIN, hat die Arbeit eines Budgetberaters bei der Finanzinspektion einen direkten Einfluss auf die politischen Entscheidungen?

Noah Mersch, Budgetberater bei der Finanzinspektion (IGF), erklärt, wie sich seine Arbeit auf die Haushaltsentscheidungen der Regierung auswirkt.

 

JA, die Budgetberater der Finanzinspektion (IGF) wachen über die Ausgeglichenheit des luxemburgischen Staatshaushalts.

NEIN, sie sind keine reinen Zahlenexperten. Die Budgetberater sind für die Analyse, Anpassung und Vorbereitung des Staatshaushalts zuständig. Dabei achten sie auf seine Durchführbarkeit und halten gleichzeitig die öffentlichen Ausgaben unter Kontrolle. Noah Mersch, Budgetberater bei der Finanzinspektion, beantwortet acht Fragen zu diesem Beruf.  

Conseiller budgétaire à l'IGF, essentiels gardiens de l'équilibre budgétaire luxembourgeois
©CGPO/David Laurent


JA ODER NEIN, beeinflussen die Budgetberater den Inhalt des luxemburgischen Haushalts?

„JA, die Vorbereitung des Staatshaushalts ist eine unserer Hauptaufgaben. Bislang ist es immer so gelaufen: Ende März lassen wir den Ministerien und Behörden ein Rundschreiben des Finanzministers zukommen, in dem sie aufgefordert werden, ihre Haushaltsvorschläge einzureichen. Wir analysieren das Ganze und schlagen bei Bedarf Anpassungen vor, um eine solide Verwaltung der öffentlichen Finanzen zu gewährleisten. Anschließend finden Treffen statt, bei denen die Verwaltungen ihre Vorschläge im Rahmen einer sogenannten „kontradiktorischen“ Prüfung verteidigen.

Münden diese Diskussionen nicht in endgültige Vorschläge, werden die verbleibenden Punkte den Ministern als Entscheidungsfragen übermittelt – im Hinblick auf die Erstellung des Staatshaushaltsentwurfs, der im Oktober vorzulegen ist. Ein weiterer Schlüsselaspekt unserer Rolle besteht darin, dem Regierungsrat Stellungnahmen zu Projekten und Vorschlägen zu liefern, die finanzielle Auswirkungen auf den Staat haben könnten.“

 

JA ODER NEIN, muss man Wirtschaftswissenschaften, Mathematik oder Finanzen studiert haben, um bei der IGF zu arbeiten?

 

„NEIN, das hängt von der Stelle und der Abteilung ab. Für die Abteilung „Études et statistiques“ wird in der Tat ein Abschluss in Statistik, Mathematik, Finanz- oder Wirtschaftswissenschaften nachdrücklich empfohlen. Ein solcher Hintergrund ist aber nicht in jedem Fall notwendig, im Gegenteil. In den Teams „Budget“, zu denen ich gehöre, wird er zwar als Vorteil angesehen, aber Mitarbeiter, die Jura, Management oder Politikwissenschaften studiert haben, leisten ebenso einen relevanten Beitrag. Ich persönlich verfüge über einen Master in Management & Technology der Technischen Universität München und habe in meinen Studiengängen Wirtschafts- und Ingenieurwissenschaften kombiniert.“

Conseiller budgétaire à l'IGF, essentiels gardiens de l'équilibre budgétaire luxembourgeois
©CGPO/David Laurent

JA ODER NEIN, haben die Budgetberater die Möglichkeit, sich auf verschiedene Bereiche des Haushalts zu spezialisieren?

„JA, das ist sogar ein wichtiger Pfeiler unserer Arbeitsweise. Wir haben vier Budget-Teams, die sich um verschiedene ministerielle Abteilungen kümmern und darin Experten sind. Ich für meinen Teil betreue diverse Arten von Dossiers, die mit Bildung, Landwirtschaft, Finanzen … zu tun haben.  

Die Spezialisierung bietet die Möglichkeit, ein gutes Netzwerk von Kontakten innerhalb des mir zugewiesenen Ministeriums aufzubauen, um einen schnellen und zuverlässigen Zugang zu den Informationen zu gewährleisten. Es braucht Zeit und Engagement, diese Beziehungen zu pflegen und sich in die Vielzahl an Dossiers einzuarbeiten, aber es gibt einem auch die Möglichkeit, sich ein solides Fachwissen anzueignen. Nach einigen Jahren können sich die Zuweisungen dann weiterentwickeln – eine Gelegenheit, in andere Bereiche einzutauchen, sein Wissensportfolio zu erweitern und gleichzeitig eine unparteiische und neutrale Haltung zu wahren.“


JA ODER NEIN, ist für Ihre Stelle eine genaue Kenntnis der Funktionsweise unseres Staates erforderlich?

 

Conseiller budgétaire à l'IGF, essentiels gardiens de l'équilibre budgétaire luxembourgeois
©CGPO/David Laurent

„JA, das ist eine der entscheidendsten Komponenten! Man muss die einzelnen Verwaltungen und öffentlichen Einrichtungen kennen und verstehen, wie sie funktionieren. Das ist eine große Herausforderung, da es sich um ein derart weitläufiges Ökosystem handelt. Hinzu kommen die rechtlichen Rahmenbedingungen, sprich die Gesetze, Verordnungen und Konventionen, die man beherrschen muss, um die Dossiers korrekt zu bearbeiten. Nehmen wir als Beispiel den Sektor der Bildung und Kinderbetreuung, für den in Luxemburg ein riesiges Budget bereitgestellt wird. Anfangs waren mir die Besonderheiten dieses Sektors ziemlich fremd, so dass ich mich mit den Verfahren, Schlüsselakteuren und Inhalten aller damit verbundenen ministeriellen Dossiers erst vertraut machen musste. Grobes Wissen reicht nicht aus; das muss man schon vertiefen.“





JA ODER NEIN, setzt Ihre Funktion zwangsläufig politische Neutralität voraus?

„JA, das ist ein grundlegendes Prinzip unserer Arbeit. Wir müssen objektive und unparteiische Analysen liefern, ohne uns von bestimmten Betrachtungen oder Ideologien beeinflussen zu lassen. Es ist wirklich unerlässlich, Dossiers unter dem Gesichtspunkt des Allgemeinwohls und nicht nach Maßgabe persönlicher Überzeugungen zu behandeln. Bei meinem Vorstellungsgespräch wurde dieser Punkt übrigens besonders hervorgehoben.

Privat mögen einige von uns politische Überzeugungen oder sogar ein Parteibuch haben, aber bei der Arbeit ist es von wesentlicher Bedeutung, sich jederzeit an das Neutralitätsgebot zu halten und seine Aufgaben gemäß den vom Finanzminister herausgegebenen Richtlinien zu erfüllen.“
 

JA ODER NEIN, ist der Zugang zu einer Stelle bei der IGF erfahrenen Arbeitnehmern vorbehalten, die sich in der Mitte ihrer Laufbahn befinden?

 

„NEIN, die Profile sind sehr verschieden. Ich selbst bin direkt nach dem Studium zur IGF gekommen, es ist meine allererste Stelle. Andere Kollegen wiederum haben sich zu einem späteren Zeitpunkt ihrer Laufbahn für einen Wechsel zur IGF entschieden, oft nach einschlägigen Erfahrungen in der Privatwirtschaft. In diesem Jahr sind besonders viele junge Kollegen zur IGF gestoßen. Die Mischung aus jungen Kräften und erfahreneren Mitarbeitern schafft eine tolle Dynamik und sorgt für ein bereicherndes Arbeitsumfeld.“

Conseiller budgétaire à l'IGF, essentiels gardiens de l'équilibre budgétaire luxembourgeois
©CGPO/David Laurent


JA ODER NEIN, handelt es sich um eine stressige Arbeit?

 

Conseiller budgétaire à l'IGF, essentiels gardiens de l'équilibre budgétaire luxembourgeois
©CGPO/David Laurent

„JA, die Arbeit bei der IGF ist durch die politischen Fristen und den Haushaltskalender ziemlich durchgetaktet – mit einer bisweilen sehr intensiven Zeit von April bis Juli! Umfang und Komplexität der Dossiers können zusätzliche Stressfaktoren darstellen. Gleiches gilt für die große Verantwortung, die auf unseren Schultern ruht. All dies ist jedoch auch eine Quelle der Motivation und der beruflichen Zufriedenheit. Natürlich ist das Tempo zu anderen Zeiten des Jahres immer noch hoch, aber regelmäßiger, klassischer.“



JA ODER NEIN, ergreift die IGF Initiativen, um das Wohlbefinden ihrer Mitarbeiter zu fördern?

„JA, die IGF hat mehrere Initiativen zur Förderung des Wohlbefindens ihrer Mitarbeiter eingerichtet. So arbeiten beispielsweise mehrere Bedienstete in Teilzeit, um Beruf und Privatleben besser miteinander in Einklang zu bringen. Auch das Zeitsparkonto (CET), ein für den gesamten öffentlichen Dienst einheitliches Instrument, ermöglicht es den Mitarbeitern, ihre Zeit besser zu verwalten.

Darüber hinaus ist bei der IGF Telearbeit möglich – im Rahmen einer Charta, die auf die Bedürfnisse der Teams zugeschnitten ist und der Zustimmung des Verwaltungsleiters bedarf. Daraus ergibt sich eine beachtliche Flexibilität. Und noch ein Wort zur Einstellungspolitik: Die IGF hat ihr Personal deutlich aufgestockt und plant, diesem Kurs in den kommenden Monaten treu zu bleiben, um die Teams zu verstärken und die Aufgabenverteilung zu optimieren, was das Wohlbefinden jedes Einzelnen fördert. Ferner sind jedes Jahr zwei Wochen dem Wohlbefinden am Arbeitsplatz gewidmet – mit thematischen Workshops, die den Mitarbeitern Tools und Tipps zur Selbstfürsorge an die Hand geben. Last, but not least ermöglicht die IGF die Teilnahme an diversen Schulungen, die vom Nationalen Institut für öffentliche Verwaltung (INAP) angeboten werden, sei es zur beruflichen Weiterqualifizierung oder zu Themen in Bezug auf die Lebensqualität am Arbeitsplatz (Stressmanagement, persönliche Organisation …)."

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©CGPO/David Laurent

Haben Sie die ganze Wahrheit gesagt?  
 

„JA, ich habe die ganze Wahrheit gesagt ... zumindest fast! Denn der Beruf des Budgetberaters hält immer Überraschungen bereit, die man nur dann entdecken kann, wenn man ihn im Alltag ausübt.“

 

Conseiller budgétaire à l'IGF, essentiels gardiens de l'équilibre budgétaire luxembourgeois
©CGPO/David Laurent

 

Die Arbeit bei der Finanzinspektion, die oft als strikt technisch wahrgenommen wird, offenbart also offenkundig menschliche und strategische Dimensionen, die nicht direkt ins Auge springen. Der Budgetberater ist keineswegs nur ein Hüter von Zahlen, sondern steht im Zentrum der Haushaltsgestaltung der Regierung und hat einen direkten Einfluss auf deren Entscheidungen. Möchten auch Sie einen solch einflussreichen Posten bekleiden? Dann geht‘s hier lang

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